Der Rennsteig ist
zumindest hier in Mitteldeutschland der wohl bekannteste Wanderweg und
auch der bekannteste unter den Rennsteigen im deutschen Raum. Inzwischen
ist er nun wieder nach der innerdeutschen Grenzöffnung in ganz Deutschland zum Non plus Ultra unter den Wanderfreunden
geworden. Von Hörschel an der Werra bis Blankenstein an der Saale
überwindet der Rennsteig des Thüringer Waldes eine Distanz von
168,3 Kilometern. Abgesehen von den steilen Anstiegen zum Kamm des
Thüringer Waldes verläuft er ohne allzu große Steigungen
mit traumwandlerischer Sicherheit auf direktestem Wege über den Kamm.
Welche Bedeutung er hatte liegt im Dunkel der Zeiten. Doch einmalig macht
ihn seine Funktion als Grenzweg thüringischer Kleinstaaten, in denen
Staatsgebiete und Herrschaften ständig sich veränderten. Welcher
Wanderweg noch erzählt so viel Historie und hat so viele einmalig
schöne Grenzsteine aufzuweisen wie der Rennsteig des Thüringer
Waldes. Die Grenzsteine weisen dem Wanderer den Weg und erfreuen ihn auf
der Wanderung mit ihrer Schönheit.. Doch der Rennsteig ist außer
durch die Grenz -, Dreiseitsteine und Sühnekreuze auch so bestens
durch das
"R" und über lange Strecken das blaue Andreaskreuz markiert.
Man geht in Jahren
mit geraden Jahreszahlen von Hörschel nach Blankenstein und in Jahren
mit ungeraden Zahlen beginnt man den Weg in Blankenstein an der Saale und
endet in Hörschel . So jedenfalls will es die Tradition der Rennsteig-Renner.
Pflicht ist es sicherlich nicht, doch bestimmt lernt man so den Rennsteig
aus verschiedener Perspektive und Betrachtungsweise kennen. Apropos Betrachtungsweise,
der Rennsteig will entdeckt sein. Wer ihn in all seinen Schönheiten,
seiner Einmaligkeit, in seiner Historie, der Mystik um seine Entstehung
und seine Bedeutung erleben will, der muß schauen und aufnehmen können.
Nach 168,3 Kilometern,
die der echte Rennsteigwanderer ohne Unterbrechung in 5 oder wie wir in
7 Tagesetappen zurücklegt, wird mancher Körper von den Strapazen
der über 30 Kilometer langen Tagesetappen malträtiert sein. Geist
und Seele sind dann jedoch in einem neuen, einzigartigen Zustand, den man
mit hinab vom Kammweg in die Niederungen unserer hektischen Welt nehmen
wird.
Oft schon bin ich Teile
des Rennsteiges gewandert. Es waren oft die Abschnitte, die mit zu den
schönsten zählen. Und wie oft überquerte man mit dem Reisebus
bereits als Kind den Höhenweg. "Der Rennsteig!", rief dann meist ein
Fahrgast, und alle Nasen klebten am Fenster um den Weg, die einzigartigen
hölzernen Rennsteigzeichen, den Stein oder Baum mit dem weißen
"R" im Vorbeifahren zu erhaschen.
Kindheitserinnerungen
von den Fahrten in die Ferienlager und Erholungsheime des Thüringer
Waldes. Auch Erinnerungen an die Jahre in der DDR als der Rennsteig noch
bei Eisenach an der Hohen Sonne begann und in Neuhaus am Rennweg sein Ende
nahm. Sie wissen, der Kalte Krieg hatte den Rennsteig noch einmal zum Grenzweg
werden lassen. Er war nicht begehbar, wenn er im Sperrgebiet und an der
streng gesicherten Grenze verlief. Trotz der gekürzten Variante waren
die Rennsteigwanderungen auf dem Teilstück so gefragt, daß man
für die wenigen zur Verfügung stehenden Wanderreisen nur schwer
einen Platz ergattern konnte. Quartiere waren eben zu wenige vorhanden.
Das alles ist vorbei und nun wächst der Todesstreifen als einzigartiges
Biothop wieder zu.
Reiseunternehmen bieten heute allen Komfort, den
sich der Wanderer nur denken kann. Shutle mit dem Kleinbus vom komfortablen
Hotel zur nächsten Rennsteigetappe, ja sogar Gepäcktransfer,
denn aus der Tatsache heraus, daß der Rennsteig die Orte möglichst
meidet, gibt es direkt am Rennsteig nur sehr wenige Quartiermöglichkeiten.
Ein Manko, das natürlich die Preise für eine Rennsteigwanderung
in Bereiche treibt, daß man eigentlich andernorts für das gleiche
Geld mehr Urlaub hätte. Dafür ist aber dann der Wanderer auch
rundum für alle Eventualitäten betreut.
Als wir noch jünger
und fit waren scheiterte die Wanderung über den Rennsteig am Quartier.
Jetzt soll sie nicht verschoben werden bis die körperliche Verfassung
vielleicht nicht mehr für die Distanz von 168,3 Kilometern ausreicht.
Jetzt soll es gelingen endlich den Rennsteig in seiner Gänze zu bezwingen
und natürlich auch zu erleben. Mal ehrlich, als ich auf der Autobahn
zu meinem ersten Übernachtungsziel bequem und schnell im Auto gefahren
bin, da war mir die Distanz zwischen der Saalebrücke bei Jena bis
hinüber nach Eisennach, die in etwa die Länge des Rennsteiges
verdeutlicht, doch ganz schön lang. Mit etwas blümerantem Gefühl
und einem schnellen Blick hinauf zum Kamm des Thüringer Waldes dachte
ich daran, daß ich in etwa diese Strecke nun laufen werde. Doch beim Anblick des Inselsberges, der sich mit Wolken verhangen
und mit regennassen dunklen Waldhängen präsentierte und an diesem
Tag etwas düster dafür aber in seiner ganzen Mächtigkeit
und Größe in Erscheinung trat überkam mich die Freude auf die kommenden Wandertage.