Auf dem Rennsteig des Thüringer Waldes

3. Etappe: Vom Heuberghaus nach Oberhof (ca 23,5 Kilometer)

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Das ist doch mal ein Lichtblick! Am Rennsteig scheint die Sonne! Da muß das Wandern doch nun wirklich Spaß machen. "Start" ist das Heuberghaus welches an der Kammüberquerung der Straße von Kleinschmalkalden nach Friedrichroda zur Rast einlädt. Wir aber müssen ohne Rast los, denn unser "Ziel" Oberhof "Grenzadler" will erreicht werden. Die heutige Tour ist bis auf einen steilen Anstieg am Sperrhügel eine reine Kammtour, müßte also leicht zu erwandern sein. Der erste Höhepunkt der heutigen Wanderung ist bald erreicht. Das alte Steinkreuz, dessen Geschichte im Dunkel der Zeiten liegt, steht an dem alten Paßübergang an dem einst im Mittelalter der Fernverkehr zwischen Thüringen und Franken erfolgte. "Am Kreuz nennt sich die Flurbezeichnung. Das als Malteserkreuz ausgeformte Steinkreuz könnte ein Sühnekreuz sein (siehe auch Foto im Schriftkopf der 2. Etappe).

Das Posseröder Kreuz und Lesesteine am Hangweg

 

 Dreiherrnstein am Pirschhaus

  Ebertswiese

 

Zum Sperrhügel steigt der Rennsteig steil an - Der Berg ist das Aus für so manchen Guts-Muths-Läufer

 

 

 

 

Die ausführliche Wegbeschreibung:

 

 

Auf dem weiteren Weg über den Rennsteig ist wieder ein Dreiherrenstein zu sehen, dessen Funktion die Markierung der Grenze zwischen Hessen und Sachsen war. da sich Sachsen zeitweilig in die Ämter Tenneberg und Georgenthal teilte, markierte der Stein eine Dreiländergrenze.

An der Ebertswiese bietet sich die einzige Einkehrmöglichkeit der heutigen Etappe. Man ist also am Rennsteig gut beraten, wenn man eine Wegzehrung und Getränke im Rucksack hat. Die Gasthäuser bieten zudem kaum leichte Kost für Wandersleute. Auf der Feuchtwiese kann man seltenen Pflanzen finden. Aber Ende August haben wir da wenig Erfolgsaussichten.

Die Spitter kreuzt den Rennsteig. Sie speist wenig später den Spitterfall, den zu besuchen sich nur nach längeren Niederschlägen lohnt.Waren es bisher Laub- und Mischwälder durch die der Rennsteig führte, erwarten den Wanderer jetzt die Nadelwälder auf den höheren Lagen um Oberhof. Eine alte Handelsstraße quert hier seit dem 15. Jahrhundert den Rennsteig, die Alte Ausspanne. Ihr Name rührt von den Vorspanndiensten her, die hier von Schmalkalden herauf erforderlich waren. Die Postlinie Nürnberg-Hamburg nutzte diesen Übergang und so manche Ware wurde hier über den Paß zur Messe nach Leipzig befördert, bis die Straße Mitte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verlor.

Nur 2 Kilometer weiter quert die Neue Ausspanne den Rennsteig. Hier reiste auch der Reformator Martin Luther von einer Tagung des Schmalkaldischen Bundes im Februar 1537 über den Paß des Thüringer Waldes. Ein Steinleiden plagte ihn, wie eine Informationstafel vermerkt, was heute erahnen läßt, welche Prozedur und Strapaze eine Reise einst war.

Und der "Grenzadler" an der Neuen Ausspanne zeigt an, daß Preußen hier ab dem 19. Jahrhundert das Sagen hatte. Ein Schild neben dem Grenzstein mit preußischem Adler informiert über die Geschichte dieser Grenze:

Der Rennsteig war auch im 19. Jahrhundert auf weiten Strecken Grenze zwischen den mitteldeutschen Kleinstaaten (Hessen-Thüringen). Das Gebiet nördlich des Kammweges zwischen Inselberg und Oberhof gehörte zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Das südlich gelegenen Territorium Herrschaft Schmalkalden war eine Enklave des Kurfürstentums (seit 1803) Hessen-Kassel, das infolge des Krieges 1866 preußisch wurde. Die Schnittpunkte der Schmalkaldischen Grenze mit Hauptverkehrsstraßen markierte man mit dem Preußischen Adler, der als "Grenzadler" in den Sprachgebrauch einging.

Wenn das Wetter umschwingt, was es am Rennsteig recht häufig tun kann, dann kann sich auch Wetterfühligkeit einstellen. Genau das war auf unserer Wanderung der Fall. Föhnwinde quälen den Wanderer. Mancher Wegabschnitt wird zur Ewigkeit. Über die Wiedepfuhlwiese pfeift der Wind. Noch lassen sich die schönen Ausblicke in die Hohe Rhön und zum Sperrhügel bei Sonnenschein und mit Federwolken verziertem Himmelsblau genießen. Doch schon während des steilen Aufstieges zum Sperrhügel, bei dem man noch einmal eine einmalige Sicht auf den Großen Inselsberg hat, verdunkelt sich der Himmel in Windeseile.

Der Rennsteig erreicht nun die Schmalkalder Loibe. Der Wanderer wird nun mit den herrlichsten Ausblicken hinab in den Kanzlersgrund mit Oberschönau und auf die Gipfel des Dolmar und des Hermannsberg hinaus ins weite Land für die Mühen des Tages belohnt. Imposant der 894 m hohe Gipfel des Donnershaug, auf dem sich eine altgermanische Kultstätte, dem Donnergott Donar geweiht, befunden haben soll. Und so erinnert der Gustav-Freytag-Stein an jenen Dichter, der in seinem Roman "Die Ahnen" dem Donnershaug und der Gegend einen Platz in der Literatur verschaffte.Uns bläst ein straffer Wind um die Nase, der die Wälder rauschen läßt. Mystisch mutet uns der Donnerhaug im diffusen Licht des Wetterwechsels an.

Noch einmal ist Durchhaltevermögen für die letzten Kilometer gefragt. Der Rennsteig führt jetzt durch Forst und ist ohne weitere Höhepunkte. Und wenn die asphaltierte Skirollerstrecke dann endlich erreicht ist, dann ist es zum heutigen Tagesziel, dem Grenzadler von Oberhof nicht mehr weit, doch für uns müde Wandersleute noch weit genug. Aber so kurz vor dem Tagesziel  werden wir erst noch einmal daran erinnert, daß wir es nicht mit einem Jahrhundertsommer zu tun haben - es beginnt zu regnen - noch dünner als das Regenwasser ist der Kaffe am Grenzadler...

 

Mystischer Ort - die Gegend um den Donnerhaug - Blicke ins Land

 

 

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 © Wolfgang Trommer