Auf dem Rennsteig des Thüringer Waldes
1. Etappe: Von Hörschel zum Hubertushaus (ca 19 Kilometer)

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Es ist ein verregneter Samstagmorgen nach einem "Freitag dem Dreizehnten". - was will man da erwarten vom Wetter!  Dabei ließ sich das Wetter am Morgen recht gut an, jedenfalls bis zu dem Moment als kräftige Regengüsse und dunkelgrauer Himmel die letzten Vorfreuden auf den ersten Wandertag verkümmern lassen. Das Reiseunternehmen ist pünktlich zur Stelle. Die Wanderer für die erste Etappe werden mit einem Kleinbus nach Hörschel gefahren. Im grauen Nieselregen durch das noch in morgentlicher Stille liegende Eisennach und dann passieren wir die Stelle, die 50 Jahre kein Mensch betreten durfte, der nicht eine Genehmigung hatte. Hörschel lag im Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze  und war somit für den normalsterblichen DDR-Bürger unerreichbar. Der kleine Ort an der Werra hat sich inzwischen herausgeputzt. Dörfliche Idylle mit sauberen, akuraten Fassaden und sauberen Dorfstraßen empfangen den Gast. Überdimensional überspannt das kleine Örtchen die Autobahnbrücke, auf der die Bundesautobahn das Werratal überquert. Der erste Weg, den der Rennsteigwanderer geht, führt zum Ufer der Werra. Hier beginnt der Rennsteig, und der Rennsteigwanderer

Wartburgblick vom Eichelberg bei Hörschel

 

Rennsteig bei Hörschel

 

Ältestes und schönstes Wegzeichen, die Wilde Sau

Drachenschlucht bei Eisennach

 

Hohe Sonne bei Eisennach

 

 Die ausführliche Wegbeschreibung:

 

nimmt sich seinen Stein von der Werra auf, um ihn mit hinüber an die Saale zu nehmen. Oft wird sich wohl so mancher Rennsteigwanderer dabei ertappen, daß er unterwegs überprüft, ob denn der Stein auch noch da ist. Ich jedenfalls prüfte mehrmals das Vorhandensein des Steines...

Noch schnell den Stempel vom Fremdenverkehrsamt in das Wanderbuch drücken lassen, ein Schild grüßt mit dem Ruf "Gut Runst" dann geht es mit großer spannungsvoller Erwartung an die 168,3 Kilometer Rennsteig. Von Hörschel führt der Weg erst einmal durch schönen Laubwald bergan. Jetzt sind nicht nur die Hänge des Werratales sondern insgesamt etwa 200 Höhenmeter bis Clausberg zu überwinden. Das kostet bei dem anfangs viel zu flotten Wanderschritt und dazu unter der Regenkleidung viel Schweiß. Dadurch muß der Wanderer recht oft verschnaufen, was ihm wiederum einmalige Blicke hinein ins Hessische ermöglicht. Gonnermann-Eck erinnert an gemächlichere Zeiten, als der Herbergswirt seine Rennsteigwanderer noch bis an diese Stelle begleitete. Damals muß es wohl außer Gewinn noch Menschlichkeit und Gemütlichkeit gegeben haben...

Nach reichlichen 2 Kilometern hat der Wanderer schon 100 Höhenmeter überwunden. Das schlaucht! Aber dafür ist die Aussicht auf die Wartburg am Großen Eichelberg (310 m) phantastisch. Der Regen läßt nach, Nebel steigt vom Waldboden auf und überrascht den Wanderer mit immer neuen Eindrücken.
Weiter geht es auf dem Rennsteig durch schöne Laubwälder über die Tyroler Platte (373 m) und den Kuhlenkopf (397m).
Bei fast 7 Kilometern wird Clausberg erreicht. Hier befand sich einst eine Clause, später eine Station an der alten Handelsstraße Frankfurt/M. - Eisennach - Leipzig und heute ist man hier mit der Zucht von Haflingern beschäftigt, die auf Schritt und Tritt allgegenwärtig sind. 
Nun folgt man der Straße bis zum Vachaer (oder Förthaer Stein) am Kilometer 8,7. Der Obelisk markiert den alten Paßübergang, der neben der "Kalten Küche" zu den bedeutensten Paßübergängen im Thüringer Wald zählt.
Der Rennsteig ist nun auch gleichzeitig ein Stück der alte Pilgerweg nach Santiago de Campostella, der Jacobsweg Mitteldeutschlands. Lichte Laubwälder faszinieren den Wanderer, bis er bei Kilometer 11,5 das Steinkreuz "Wilde Sau" erreicht. Das wohl schönste Steinkreuz ist auch gleichzeitig das älteste Sühnezeichen am Rennsteig. Jagdunfall des Jägers durch eine Wildsau oder Mord des Nebenbuhlers, der mit der Geliebten ertappt wurde? Wer weiß, auf wem der Jäger reitet, es war während der Rast an diesem einmaligen Ort nicht herauszufinden. Auf dem Stein ist jedenfalls eine Wildsau dargestellt... Nicht unerwähnt können die hier einzigartigene Ausblicke zur Wartburg bleiben. Schade, daß es der Forst auch hier nicht versteht die Ausblicke frei zu halten.
Ungern trennt man sich vom schönen Anblick des alten Sühnekreuzes. Der Weg kann nun auf dem Rennsteig fortgesetzt oder auf kleinem Umweg durch die Drachenschlucht genommen werden. Die Entscheidung für letztere Variante lohnt sich. Das wildromantischen Kerbtal mit seinen engen Felsdurchlässen faszinierte schon die Ausflügler der Romantik. Allerdings machte uns die in der Schlucht abgelagerte Hitze des Sommers arg zu schaffen.
Schweißgebadet erreicht man dann die Hohe Sonne, das alte Jagdschloß später Gaststätte dem eine Sonne am Turm zum Namen verhalf und das heute in marodem Zustand ist, läßt angesichts der Krane auf Verschönerung hoffen. Aber eine Erfrischung ist in der Freiluftgaststätte möglich, und das gilt es zu nutzen, bevor die letzten 5 Kilometer Wegstrecke zurückgelegt werden.
Der Rennsteig, der von der Hohen Sonne bis Neuhaus am Rennweg auch mit dem Europäischen Bergwanderweg  Eisenach Budapest identisch ist, führt nun auf alter Handelsstraße bis zum Gedenkstein des Guts-Muths-Rennsteiglaufes, der sich seit 1973 zum größten europäischen Grosslauf entwickelte. Dann nimmt uns dunkler Fichtenwald für die letzte Wegstrecke auf.
Am Kilometer 17,6 erreicht man in 530 Meter Höhe den Zollstock, eine alte Wegzollstelle. Hier soll sich einst ein Bildstock befunden haben.

Noch oft auf den nächsten Etappen der Rennsteigwanderung wird der Wanderer merken, wie die letzten 5 bis 10 Kilometer kein Ende nehmen wollen. Für uns ist es heute das erste Mal diese Erfahrung des Nichtendenwollens der letzten Kilometer am eigenen Leib zu spüren.
So sind wir froh endlich Ascherbrück und das Hubertushaus zu erreichen.

 

 

Malerisch etwas abseits des Rennsteiges "Die Wilde Sau"

 

     Die historischen Daten sind entnommen den Büchern:

    Ludwig, Otto
    "Der Rennsteig"
    Greifenverlag Rudolstadt
    1. Auflage 1965 

     Wolfram Scheibe, Volker Wahl, Horst Heinert
    "Rennsteigwanderung"
    Tourist Verlag Berlin Leipzig,1.Auflage 1985
     
     

      © Wolfgang Trommer

 

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