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Der sechste Tag
dieser Rennsteigwanderung beginnt in Neuhaus am Rennweg. Legitim
ist es auch die Wanderetappe am Skifahrerdenkmal von Ernstthal zu
beginnen. Man schenkt sich den Weg durch Neuhaus am Rennweg, das
in der DDR- Zeit durch Plattenbauten und Industrieansiedelung der
Tristesse etwas anheim fiel. Ich kenne Neuhaus am Rennweg zur Genüge
und auch den Weg durch das Glasmacherörtchen Ernstthal zum Skifahrerdenkmal,
an dem einst das unbekannte Land begann, denn hier war lange für
den Normalsterblichen Ende der Welt - Sperrgebiet.
Wie schon gesagt,
es ist der sechste Tag auf dem Rennsteig. Ich kann nicht lügen,
denn es gibt Zeugen, die wissen, ich habe um die 3 Kilometer des
Rennsteiges ausgelassen. Aber wie gesagt, am 6. Tag auf dem Rennsteig
wird für manchen die Wanderung zur Qual, und das heißt sich ganz
schön quälen, denn nun muß es sein, daß der Rennsteig in ganzer
Distanz bezwungen werden soll. Die Schuhe waren es, die meinen Elan
an diesem Tag bremsten. Die Füße wurden wund gerieben, und der Schmerz
ist unsäglich groß. Sandalen könnten das Laufen erleichtern. Jedoch
regnet es wieder, also heißt es gegen den Schmerz in den Wanderstiefeln
ankämpfen, vielleicht schafft man die paar 20 Kilometer ja doch
noch irgendwie.
Griffelschieferbrüche
am Brandt, ersparen Sie mir jüngsten Verwendungszweck dieser alten
Einkehrstätte. Auch früher war es hier nicht schön. Die Armut wohnte
bei den Griffelmachern, und mancher liebevoll im Sommer gehegte
und gepflegte Singvogel wanderte aus dem kleinen Käfig vor dem Fenster
in den Kochtopf. Der Hunger war größer als jede Tierliebe.
Einmalige Ausblicke
vom neugestalteten Triniusblick, der auf Schieferbrüchen entstand.
Hier liegt dem Wanderer der Frankenwald zu Füßen. Dann endlich lichtet
sich der Wald. der Atem bleibt stehen nach Tagen der Waldeinsamkeit,
denn nun ist der Blick frei auf Spechtsbrunn und weit hinüber in
Richtung Steinbach am Wald. Nun geht es zur Kalten Küche am Ortsausgang
von Spechtsbrunn, und die Tafel am alten Paßübergang offebart eine
illustre Gesellschaft, die hier im Laufe der Zeiten das Gebirge
überquerte.
Weiter
oben überquerte in jüngster Vergangenheit keiner mehr Straße und
Pfade. Stacheldraht, Mienen, Selbstschußanlagen und Todesstreifen
wußten das zu verhindern. Jetzt breitet sich Natur am Todesstreifen
aus. Ein Bundesadler durchbricht auf einem Schild mit breiten Schwingen den Stacheldraht
um den "Ostlern" das Glück zu bringen. Es kam nicht so recht, und
ein Spaßvogel kritzelte unter das Schild, daß Arbeit gebraucht wird.
Das Wetter wird
besser. Die Jahrhunderte alte Grenzstelle mit Grenzsteinen markiert
die Grenze zwischen Bayern und Thüringen. Auf der fränkischen Seite
war der Rennsteig durch die nahe Grenze 50 Jahre nicht mehr attraktiv. Wer
wollte schon auf dem kurzen Teilstück wandern. Aber der Wanderer
findet hier schöne alte und urwüchsige Teilstrecken des Rennteiges,
bevor er auf einem parralel zur Straße angelegtem Weg Steinbach
am Wald und ein gemütliches Hotel erreicht.
Übrigens, es
wurde doch noch schönes Wetter, und Wanderers Schmerzen wurden durch
den Tausch der schweren Wanderschuhe gegen Sandalen gelindert...
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