Auf dem Rennsteig des Thüringer Waldes
5. Etappe: Von Neustadt / R. nach Neuhaus / R. (ca 27,0 Kilometer)

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Freie Ausblicke auf Neustadt  ...

 

Ein schönes Teilstück des Rennsteiges bei Masserberg

 

Friedrichshöhe kleine Gemeinde in der Waldeinsamkeit

 

Der Rennsteig zwischen Masserberg und Friedrichshöhe ist einmalig schön

 

 Schwarzaquelle

 

 Guths-Muths-Rennsteiglauf Anfang der Siebzigerjahre

 

Die ausführliche Wegbeschreibung:

 

Es ist ein trüber Morgen der für den Wandertag auf dem Rennsteig nicht gerade die beste Laune aufkommen läßt. Doch der Rennsteig wartet mit seinen Wetterscheiden oft mit Überraschungen auf. Es liegt ein gutes Stück Weg vor dem Wanderer auf dieser Etappe, und das erzeugt eine gewisse Unruhe und treibt zunächst erst einmal zur Eile an. Der Weg ist weit und will geschafft werden, das macht positiven Streß, der nach den ersten Kilometern wieder nachläßt. Eigentlich hat man jeden Tag mehr Mühe sich vorzustellen, daß man überhaupt am Abend noch das Ziel erreichen wird. Aber dann schafft man es ja doch wieder, wenn jetzt auch die letzten Kilometer einer jeden Tagesetappe immer schwerer fallen.

Parallel zur Landstraße führt der Rennsteig entlang der Straße Neustadt - Masserberg. Es ist kühl und Regen macht lustlos. Aber die Blicke über freies Land hinüber nach Neustadt und über Wiesen und Felder auf den Waldsaum, aus dem Nebelschwaden ziehen, lassen bewußt werden, daß wir solche freien Blicke über das Land in den letzten Tagen vermissen mußten, denn bisher verlief der Rennsteig durch Wald, und freie Blicke ins Land waren nur an wenigen Stellen möglich.

Da gibt es nun "Wander-Gurus", die den Rennsteig unseres Thüringer Waldes wie auch so vieles andere in Deutschland in ein bestimmtes Prädikat einorden wollen. Denen kann ich nur sagen, bleibt fort vom schönen Rennsteig, der in seiner Art einmalig und historisch ist, und baut ein Wander-Disnayland auf wo immer ihr lustig seid. Der Rennsteig aber soll bleiben wie er ist, denn er ist ein einmaliges Stück Kulturgut, das uns die Vergangenheit hinterlassen hat, und dem wir verpflichtet sind. Das auch ohne genormte Ferblicke und Highlights... In meinen Gedanken versunken erreiche ich so im ströhmenden Regen Kahlert. Die kleine Gemeinde profitierte einst vom Warenverkehr aus Franken nach Thüringen auf einer den Ort durchquerenden Handelsstraße. das ist längst vorbei. Und in der neuesten Zeit krankt die Region noch an ganz anderen Problemen. Doch das soll uns heute auf unserer Wanderung nach Möglichkeit nicht die Laune verderben.

Nach fast 6 Kilometern verläßt der Rennsteig an der Schwalbenhauptwiese die Straße. Auf der einen Seite geht es steil bergab in das südlich des Hauptkammes gelegene Fehrenbach, auf der anderen Seite erreicht man das Schwarzatal. Nun kann der Wanderer wieder durch schöne Wälder gehen. Zunächst aber lädt die Triniusbaute zur Rast und der Triniusstein in der Nähe der Baute erinnert an den guten Rennsteigkenner und Publizisten aus der Zeit, als der Rennsteig noch Enthusiasten und Naturfreunde angezogen hat und nicht der Vermarktung anheim gefallen war. Allerdings waren die Rennsteigfreunde vor einem Jahrhundert besser betuchte Leute, das sollte man auch nicht vergessen.

Der Weg nach Masserberg zieht sich in die Länge. Mir war nicht mehr bewußt, daß es ein reichliches Stück des Weges ist, bevor Masserberg erreicht wird. Die Sonne kommt hinter noch grauen Wolkenfetzen hervor und jetzt in der Mittagszeit wird es ganz schön warm. Schöne Weitblicke tun sich bei Kilometer 7,8 auf: Weit geht der Blick zum Kickelhahn (Über allen Gipfeln ist Ruh'...), dem  Langen Berg bei Gehren und der Kenner erkennt dann auch noch Meuselbacher Kuppe und Kirchberg mit dem Fröbelturm bei Oberweißbach. Schon recht nahe leuchten in der Sonne die Platten- und Industriebauten von Neuhaus am Rennweg herüber. Aber man sollte sich davon nicht täuschen lassen, denn der Weg ist noch weit.

Masserberg wartet mit seinen neuen Kureinrichtungen auf. Ein Rundgang durch den Ort ist lohnenswert, doch uns fehlt heute dafür die Zeit. Steil bergan führt der Weg hinauf zum Eselsberg mit dem Fuchsturm. Es ist der einzige Aussichtsturm am Rennsteig. Ich erinnere mich ein Vierteljahrhundert zurück. Als ich hier Urlaub machte und die Läufer des inzwischen weltbekannten Guts-Muths-Rennsteiglaufes einer Menschenschlange gleich über den Rennsteig herüber gelaufen kamen. Am Eselsberg war Verpflegungsstelle. Viele Masserberger Einwohner halfen durch Engagement und unentgeltlich mit den Rennsteilauf zu dem zu machen, was er heute ist. Ich traf Kameraden, mit denen ich im  bulgarischen Gebirge wanderte. Ich kostete den leckeren Haferschleim, der Wegzehrung für die Läufer war, denn die Wirtin meines spartanischen Urlaubsdomiziels gab an der Verpflegungsstelle den begehrten Haferschleim aus. Es war ein eindrucksvolles Erlebnis.

An der Rennsteigwarte scheiden sich die Geister. Die einen werden die Werraquelle besuchen; ich aber entscheide mich für einen der schönsten Teile des Rennsteiges. Naturbelassen und mit schönen alten Steinen fasziniert mich dieser Teil des alten Weges auch nach 25 Jahren wieder aufs Neue. Am Kilometer 11 des heutigen Tages genehmige ich mir eine Rast. Der Tag hat nach anfänglichen Wetterkapriolen Bilderbuchwetter parat. Hier am Dreiherrnstein auf der Hohen Heide habe ich also Kilometer 100 meiner Rennnsteig - Runst erreicht. Ein tolles Gefühl, und doch wird mir etwas flau im Magen vor den noch vor mir liegenden Kilometern ...

Dann treffen einige Wandergruppen am  Meilenstein der Eichsfelder Ausspanne aufeinander, und man fragt sich, warum man all die Tage so wenigen Menschen am Rennsteig begegnete. Hier an der Eichsfelder Ausspanne trafen sich einst 6 Handelswege. da waren Spanndienste ein lohnendes Geschäft.

Friedrichshöhe, war kleinste Gemeinde der DDR, ist jetzt immerhin noch kleinste Gemeinde Thüringens. Das Gasthaus am  Rennsteig bietet uns angenehme Gastlichkeit und Rast und nicht wie am Dreiherrenstein und Mittelpunkt des Rennsteiges keinen Stempel.

Der Dreistromstein auf dem weiteren Weg erinnert mich an die an solchen Orten zu DDR-Zeiten heimliche Begierde einmal am Rhein zu stehen... Auch hier am Dreistromstein ein Dreiherrenstein, der allerdings etwas ein Schattendasein fristet.Bald lichtet sich der Wald und es werden Ausblicke auf Siegmundsburg und Limbach möglich. Nachdem man nach Limbach hinabgestiegen ist geht es wieder steil bergan. In der spätnachmittäglichen Verfassung des Wanderers hat man nun langsam das Gefühl, daß man wohl nicht mehr weiter gehen kann, aber man muß es, wohl oder übel.

Trotz der angeschlagenen Kondition entscheiden wir uns am Sandwieschen noch zu einem Abstecher zur Schwarzaquelle. Aber ach, dieser Weg ist steil und für unsere momentane Verfassung recht weit, und die Schwarzaquelle ist auch nicht gerade das Erlebnis, das uns wieder aufbauen kann. Bescheiden ist die Ergiebigkeit Quelle der Schwarza in ihrer grandiosen Einfassung, aus der der so schöne Flußlauf entspringt. Nun ist nach dem bescheidenen Erlebnis Willenskraft vonnöten, die es ermöglicht den steilen Weg bergan zu bezwingen. Die letzte Kraft ist dann für die letzte Strecke nach Neuhaus am Rennweg erforderlich. Fast geht nichts mehr, aber irgendwie geht es dann doch.

Auf dem Parkplatz stehen unsere PKW. Und nun - Luxus pur - "schweben" wir in Technik der Neuzeit unserem Quartier, einem guten Nachtmahl und noch besserem Bayrischen Bier unserem neuen Quartier in Steinbach am Wald entgegen. Nur gut, es ist noch nicht Küchenschluß, und so können wir uns nach dem langen Wandertag noch recht gut stärken .

 

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 © Wolfgang Trommer