Auf dem Rennsteig des Thüringer Waldes
4. Etappe: Von Oberhof nach Neustadt / R. (ca 27,0 Kilometer)

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Großer Beerberg und Plänckners Aussicht im Nebel...

 

 Das Rondell bei Oberhof erinnert an den Straßenbau

 

Im Berggasthof Schmücke ist jeder willkommen

 

Über Wiesen auf dem Rennsteig  nach Neustadt

 

 

 

Die ausführliche Wegbeschreibung:

 

 

Der vierte Tag dieser Rennsteigwanderung beginnt am Grenzadler in Oberhof. Die riesigen Asphaltierten Flächen für die Parkplätze des Biatlonstadions wirken nicht gerade einladend und noch weniger, wenn der Himmel grau ist. Kalt ist es ohnehin hier oben in Oberhof bei solchem Wetter und im Sommer schon etwas kühler.

Am Grenzadler vorbei geht es auf die heutige Tagesetappe. Nach einem reichlichen Kilometer ein Dreiherrenstein, der Dietzel-Geba-Stein, der einst die Grenzen von Hessen, Sachsen-Henneberg und Sachsen-Gotha markierte.

Am  Rondell, dem Denkmal aus Anlaß der Erbauung der Straße über den Thüringer Wald, sollte man sich für eine Besichtigung des Rennsteiggartens mit zahlreichen alpinen Pflanzen entscheiden. Wir müssen auf dieses Erlebnis verzichten, denn der Weg ist noch weit. Vielleicht ein andermal. Auch das Denkmal für die Arbeiter, die einst den Windbruch gemeinsam mit sowjetischen Soldaten beseitigten ist sehenswert.

Im dichten Nebel geht der Weg bergan zum Großen Beerberg (982 m). Von Plänckners Aussicht hat man eigentlich einen sehr schönen Blick hinüber nach Oberhof und hinaus ins Land nach Suhl. Aber bei Nebel muß man sich dann eben mit den bizarren Eindrücken aus nächster Nähe begnügen. Der Nebel hüllt die Landschaft in ein düsteres Grau und schafft bizarre Formen. Der Wind ist eisig kalt. Wir haben nicht viel vom höchsten Punkt des Rennsteiges (973m) und ein Verweilen auf der steinernen Bank, zu Ehren des Vaters der Rennsteigwanderung Julius Plänckner als "Plänkners Aussicht" bezeichnet, wird auch nichts. So lohnt auch kein Abstecher hinüber zum zweithöchsten Gipfel des Thüringer Waldes, dem Schneekopf. Einst unzugänglich wegen seiner militärischen Nutzung bietet er jetzt herrliche Ausblicke ins Land - nur eben heute nicht...

Der kalte Wind treibt uns weiter. Es geht nun logischerweise bergab zur Schmücke, dem bekannten Berggasthof, in dem einst ein für seine derben Witze bekannter Wirt die Schankrechte hatte. Hier kann man rasten und sich beim freundlichen Personal einen Wanderstempel geben lassen. Einen Blick hinab ins weite Land in Richtung Ilmenau tut sich uns beim Rasten auch noch auf. Dann heißt es den noch weiten Weg in Angriff zunehmen. Mordfleck und Alte Dränke erinnern einmal mehr an die Historie des Rennsteiges mit seinen Sühnekreuzen und den Stellen wo Pferde gezüchtet und nach harter Vorspannarbeit gefüttert und getränkt wurden.

Starker Regen läßt den Mut sinken. Der Bahnhof Rennsteig ist heute ein Museum der speziellen Eisenbahntrasse von Ilmenau herauf über den Kamm nach Schmiedefeld. Wir erhalten hier einen schönen Stempel für unser Wanderheft und versprechen bald einmal die interessante Eisenbahnausstellung zu besuchen. Es regnet in Ströhmen bis zum Mittelpunkt des  Rennsteiges wird der Weg zur Tortour. Doch im kleinen Bergdorf Allzunah gönnen wir uns trotz regendurchtränkter Kleidung eine Labsal. Im Cafe' Spindler gibt es den besten Mohnkuchen. den ich je zu mir nahm. Es soll in diesem Kaffe auch ein Rennsteigmuseum geben?

Nun heißt es die letzten Kilometer bis zum Mittelpunkt des Rennsteiges zu bewältigen. Bei strömenden Regen kein Vergnügen, aber es hilft ja alles nichts. Stolz, patschnaß und abgekämpft erreichen wir die Baude an Dreiherrenstein. Wir haben  nun 83,7 Kilometer  zurückgelegt, und wir sind stolz, und wollen natürlich von Mittelpunkt einen Stempel haben. Aber ach, in der Gaststätte werden wir nach draußen gebeten. Dort soll es den Stempel geben. Aber da gibt es weder eine Person, die am Mittelpunkt des Rennsteiges bei Regen eine Stempelberechtigung besitzt, noch finden wir einen Stempel. Adé du gastlicher Wirt, adè du schöner Mittelpunkt. Am Rennsteig gäbe es noch viel zu tun, damit der Wanderer gerne in die Region kommt ...  Doch der alte Dreiherrenstein entschädigt für die Mühsal des bisherigen Weges.

Die Inschriften des Dreiherrensteines sind fast vollständig verwittert. (siehe Bild oben) Aber auf diesem etwas älterem Foto ist die gekreuzte Gabel des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen noch gut zu erkennen. Dieses Zeichen einer Gabel werden wir nun öfters auf den Steinen des Rennsteiges vorfinden. Vor Neustadt reißt trotz allem Frust über die Mittelpunkt-Mängel wenigstens der Himmel auf. Hoch oben über dem Horizont lugen die ersten Dächer von Neustadt über den Wiesenrand.

Aus den vom Regen dunklen Nadelwäldern steigen weiße Wolkenfetzen auf. Das fasziniert uns auf den letzten Metern unserer heutigen Tour, und wir freuen uns darauf jetzt immer öfter durch offenes Land mit schönen Aussichten wandern zu können. Dann erreichen wir spät am Abend Neustadt am Rennsteig. Der Rennsteig führt auf der Hauptstraße durch den Ort. Zwei Kirchen zeugen von der Teilung des Ortes in zwei Herzogtümer. Negatives Immage erfuhr der Ort durch die Verarbeitung von Zunderschwamm, durch den der Ort als Schwamm-Neustadt traurige Berühmtheit erlangte. Der giftige Phosphor führte zu schweren gesundheitliche Schäden bei der Bevölkerung Neustadts.

Unser Bus wartet längst und bringt uns sicher in unser Hotel, wo wir unsere müden Knochen pflegen können.

 

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 © Wolfgang Trommer