| Der Rennsteig - Resümee der Rennsteigrunst |
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Nun also ist der Rennsteig erwandert; es ist geschafft. Lange Zeit war es guter Vorsatz und immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen verschoben worden. Doch nun blicken wir inzwischen auf schöne Wandererlebnisse am Rennsteig zurück, die jeder einzelne in sich aufgenommen hat und nicht so schnell vergessen wird. Wer den Rennsteig des öfteren geht, der wird dennoch immer wieder von der Einmaligkeit und von der einzigartigen Atmosphäre, die der alte Pfad durch seine alten Grenzsteine ausstrahlt, fasziniert sein. Der richtige Renner nimmt jedes Jahr aufs neue die 168,3 Kilometer unter seine Füße. einmal, in den Jahren mit geraden Zahlen von Hörschel nach Blankenstein und in Jahren mit ungeraden Jahreszahlen wird der Rennsteig von Blankenstein an der Saale mit dem Ziel Hörschel an der Werra bewältigt. Jedes Mal wird der Rennsteigliebhaber neue Eindrücke sammeln. Um es mit den Worten Victor von Scheffel auszudrücken: "Ein deutscher Bergpfad ist's! Die Städte flieht er und birgt im Dickicht seinen Lauf." Der Höhenweg zwischen Werra und Saale hat etwas aufzuweisen, daß wohl kein anderer Gebirgspfad dieser Welt aufweisen kann. Das wußte schon der wohl bekannteste Kenner des Rennsteiges zu schätzen, August Trinius. Der Rennsteig verfügt über eine einmalige Ansammlung von wunderschönen Grenzsteinen entlang seines Verlaufes. Doch noch etwas anderes übt große Faszination auf die Menschen unserer Zeit aus. Es ist wohl das Althergebrachte, was uns der Rennsteig in die Neuzeit hinein vermittelt. Es ist etwas, was es eigentlich in der heutigen Zeit nicht mehr gibt, und das sich auf dem Kammweg des Thüringer Waldes erhalten hat. Es ist dieser Pfad, der einmal als Teil einer modernen Straße verläuft. oder der sich als fast unwegsamer Pfad vom Inselsberg hinab windet. Es ist der Weg, der sich, und das ist in diesen Breiten höchst selten, über die Zeiten erhalten hat und auch als einmaliger Pfad erhalten und geachtet wurde von den Menschen. Der Rennsteig ist ein Gebirgspfad, der es sich in unsere Zeit hinein noch leisten kann als Trampelpfad Wiesen mittendurch zu queren, und das eben auch deshalb, weil keiner je auf die Idee gekommen wäre den alten Pfad einfach zu verlegen oder gar zu versperren. Dieser Rennsteig hatte eben etwas besonderes in allen Zeiten bis in unsere hektische Welt hinein. Aber letztlich haben den Rennsteig auch Deutschtümelei und ein etwas zu viel an Nationalstolz zu dem werden lassen, was er heute noch ist. Ein Wunder, daß kein Bismarckturm auf den Höhen des Thüringer Waldes erbaut wurde! Dafür aber haben fast 50 Jahre deutscher Teilung und Kalten Krieges ganz andere "Monumente" am Rennsteig entstehen lassen, die den alten Pfad zu einem Torso schrumpfen ließen. Teile zum Todesstreifen machten und einen geringen Teil im Westen Deutschlands zur Bedeutungslosigkeit verkommen ließen. Wen wundert es, daß der Rennsteig nach der Wiedervereinigung wieder zum Patriotismus verleitete. Die Probleme nach der Wiedervereinigung konnten durch Patriotismus und Phrasen jedoch auch nicht geklärt werden. Irgendwo im Dunkel der Geschichte liegt
das Geheimnis des Rennsteiges verborgen. Vielleicht hat er gar schon als
urzeitlicher Jagd- und Verbindungsweg existiert? Diente er den Kelten als
strategischer Weg gegen die vordringenden Germanen? War er gar ein alter
Handels- und Pilgerpfad - eine Via Regia über den Gebirgskamm? War
er schon immer ein Grenzpfad, oder ist er ganz einfach als schneller Verbindungsweg
zwischen den zahlreichen Paßstraßen, die über den Kamm
führen, entstanden? Wir werden es wohl nicht erfahren können,
ebenso wie sein Anfang und sein Ende umstritten und im Dunkel der Geschichte
verborgen sind. Auch werden wir wohl nie erfahren ob der
Rennsteig vielleicht viel weiter reichte als bis zum Saaletal.
Handelsstraße war der Rennsteig wohl nie, eher nur Pfad, der am Ende zu dem gemacht wurde, was er heute ist: die direkteste Verbindung über den Kamm des Thüringer Waldes und des Schiefergebirges. Vielleicht war diese Verbindung in grauen Vorzeiten entstanden, dann - in Vergessenheit geraten - zur Truppenverschiebung wieder genutzt worden. Wir werden es nicht erfahren, und deshalb sei der Phantasie freien Lauf gelassen. Allein das Heute zählt, und da ist man bemüht in der Kammregion des Thüringer Waldes den Wirtschaftsfaktor Tourismus zu nutzen. Doch es will wie andernorts auch nur teilweise gelingen. Man gibt sich gar große Mühe und andere glauben wieder sich nicht an dieser Mühe beteiligen zu brauchen. Es klemmt, wie man so schön sagt. Die, die den neuen Rennsteigtourismus beleben, geben sich alle Mühe. Doch entlang des Rennsteiges hapert es an einer Gastronomie, die den Wünschen des Rennsteigwanderers mit entsprechendem Service und angemessener Kost Rechnung trägt. Da wäre noch einiges zu tun. Doch den Rennsteig nach den Normen von irgendwelchen Wanderweg - "Normern" und "Kathegorisierungs- Gurus" an den Rand zu drängen, das darf nicht sein. Der Rennsteig verfügt nun einmal nicht über grandiose Aussichtspunkte, auch wenn die Forstämter sich bemühen sollten die wenigen Aussichtspunkte dennoch frei zu halten. Der Rennsteig ist das, was er ist, einer der einmaligsten Wege auf dieser Erde, da sollten "Wandergurus" außen vor bleiben. Der Rennsteig ist auch ohne diese Leute einmalig, und wer den alten Weg für sich entdeckt, der wird wissen, wovon ich schreibe.
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© Wolfgang Trommer |