Auf dem Rennsteig des Thüringer Waldes
7. Etappe: Von Steinbach a.W. nach Blankenstein / Saale (28,0 Kilometer)

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An der Ziegelscheune ist es in den frühen Morgenstunden fast Nacht...

 

Mit die schönsten Grenzsteine des Rennsteig am Schönwappenweg

 

  Dörfliche Idylle in Brennersgrün

 

Über Wiesen auf dem Rennsteig  in Richtung Blankenstein

 

 Die ausführliche Wegbeschreibung:

 

 

 

Der siebte Tag dieser Rennsteigwanderung beginnt in Neustadt am Wald. Und mit Schmerzen in den Füßen hofft ein einsamer Wanderer in den Nachtstunden auf Wetter, wie es in den Abendstunden auf dem Kamm des Schiefergebirges vorherrschte. Die Sonne schien, und wenn es am kommenden Wandertag ebenso wäre könnten die geschundenen Füße durch das Tragen von Sandalen geschont werden. Es wird Wunschdenken bleiben. Schwere Gewitter entladen sich in den Morgenstunden. Es will gar nicht so recht hell werden, und es regnet in Strömen. Dennoch wandert man los, und das trotz aller Schmerzen und Wetterunbilden, denn nun soll die Rennsteigrunst nicht mehr scheitern. Nur heimlich hofft dann der Wandersmann, daß er die letzte Distanz noch schaffen kann, und gleichzeitig überlegt er, was er in dieser einsamen Gegend wohl tut, wenn es gar nicht mehr geht, denn die Schmerzen sind längst so groß, daß mit einem Abbruch der Wanderung zu rechnen ist...

Jetzt zeigt jeder Wegweiser am Rennsteig akribisch genau an, wie weit es noch bis nach Blankenstein ist und wie viele Kilometer seit Hörschel schon zurück gelegt worden sind. Aber so recht mag heute keine Freude aufkommen. Schmerzen in den Füßen, strömender Regen und fast Finsternis am frühen Tag. Was für ein Pech! Am Schönwappenweg sorgen mit die schönsten Grenzsteine für etwas Freude, Immer wieder wird der Todesstreifen der ehemaligen innerdeutschen Grenze überquert. Die Gemeinde Brennersgrün wartet mit schmucken, schieferverkleideten Häuschen auf. Liebevoll gestaltete Wegweiser grüßen den Wandersmann. Wieder einmal meidet der Rennsteig die Ortschaften. Der alte Pfad führt geradeaus über die Felder und niemand wäre je auf die Idee gekommen den Pfad quer über Wiesen und Felder anderwärts zu verlegen. Grumbach liegt somit abseits des Rennsteiges.

Im östlichen Abschnitt des Rennsteiges befand sich einst das legendäre Waldhaus., das 1998 abgebrannt ist und inzwischen wieder aufgebaut sein soll. Die Tochter des Försterehepaares vom Waldhaus hieß Mareile und wurde von den Rennern des Rennsteiges sehr geachtet ob ihrer Lebenslust. So kam es, daß Mareiles Name Patenschaft für die Zeitschrift des Rennsteigvereins gestanden hat. Aber auch das weiße "R" des Rennsteiges, das so vielen Wanderern als Wegweiser diente und noch dienen wird, nennt man in Rennerkreisen Mareile.

Durch den Wald erreicht der Wanderer die Hohe Tanne. Hier stand einst ein Dreiseitenstein, der die Grenzen des Bistums Bamberg, des Herzogtumes Sachsen-Altenburg und des kleinen Fürstentumes Reuß jüngere Linie kennzeichnete. Nun wird der Todesstreifen der ehemaligen innerdeutschen Grenze letztmalig überschritten. Unser fußmüder Wandersmann bekommt nach 160 Kilometern Fußmarsch ein Heimatgefühl.

Noch einmal ist ein langer Weg durch den Forst zu bewältigen. dann wird die Landschaft auf den Höhen über dem Saaletal erreicht. Einkehrmöglichkeiten boten sich auf dieser Strecke nur wenige. Der Wanderer halte es wie ich und nehme eine Brotzeit im Rucksack mit. Das ist die beste Lösung.

Die letzte und leider auch an diesem Tage für uns einzige Einkehrmöglichkeit bietet sich im kleinen Dörfchen Schlegel. In letzter Minute noch die Gaststätte betreten, bevor der mittägliche Gewitterregen hernieder prasselt. Schnell füllt sich das Gasthaus mit Wanderern, und das Personal tut mir anhand der geäußerten ausgefallenen Sonderwünsche leid.

Bald ist der Schornstein der Papierfabrik Blankenstein zu sehen und wird zum Wegweiser. Die Sonne scheint, und der Weg führt nun bergab nach Blankenstein. Was für ein Gefühl 168,3 Kilometer geschafft zu haben! Doch dieses Hochgefühl wird bergein durch unsägliche Fußschmerzen minimiert.

Den begehrten Wanderstempel gibt es am Bahnhof. Hier ist jemand engagiert für den Rennsteig, nicht wie am traurigen Mittelpunkt des Rennsteiges...

Nach 168,3 Kilometern den von Hörschel mitgebrachten Stein aus der Werra in die Selbitz werfen. Es ist geschaftt, und es noch nicht so recht erfaßbar. Am Abend wird dann die Urkunde und das goldene Rennsteigabzeichen überreicht Wer das Rennsteigabzeichen in Gold erhält, gehört zu denen, die die Rennsteigrunst erfolgreich absolvierten, und die nun mit "Gut Runst" am Rennsteig grüßen dürfen - Wir gehören zu den Rennern!

Wir werden verwandelt in den Trubel des Alltages unten im Flachland zurück kehren. Wir werden uns wundern, wie wir der Hektik des Alltages entflohen waren. Dieses Gefühl sei mit den Worten Heinrich Harrers beschrieben:

Nach einem bestandenen Abenteuer ist man angekommen - bei sich selbst.

Heinrich Harrer 

 

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 © Wolfgang Trommer